Ende 1998 wurde Pfarrer Eichkorn von Domkapitular Dr. Robert Zollitsch, dem Personalreferenten des Erzbischofs, gebeten, diesen Bericht zu erstellen. Damals war ihm noch die Mitverwaltung der Pfarreien Hl. Dreifaltigkeit, VS-Pfaffenweiler, und St. Gallus, VS-Tannheim übertragen.

Vorneweg: Beim Wort „Identität als Priester“ denke ich: Wie erlebe ich mich in meiner priesterlichen Tätigkeit? Stimmt mein Leben mit meinem Priesterbild überein? Bin ich als Priester und als Mensch gespalten oder identisch mit mir selbst? (Vgl. „Schreiben der deutschen Bischöfe über den priesterlichen Dienst“, S.5)
Ich habe mich in meiner priesterlichen Haut noch nie so wohl gefühlt wie in den 8 Jahren der Arbeit in St. Fidelis mit St. Konrad (Rietheim), Hl. Dreifaltigkeit mit St. Wendelin und St. Gallus – und zwar von Jahr zu Jahr mehr -.

Wer bin ich? Geboren 1934 in Bettmaringen, Hotzenwald/Ost. Eltern: einfache Bauern. Ältester Sohn mit zwei Schwestern und einem Bruder. 1946 entschlossen, Pfarrer zu werden. 1948 Erzbischöfliches Konvikt Konradihaus, Konstanz (die schönste Zeit meiner jungen Jahre) mit Besuch des städtischen Heinrich-Suso-Gymnasiums. Dort Abitur 1955. Dann Collegium Borromaeum/Freiburg und Theologie an der Universität Freiburg, zwei Semester in München, Abschluß in St. Peter (fast so schön wie Konstanz). Priesterweihe 1960 in Konstanz. Vikar in Weil am Rhein, dann Karlsruhe (die schwierigste Zeit meines Lebens) und Villingen, St. Konrad. Pfarrer in Unterkirnach (1967-1980), Meßkirch (-1988), schließlich in Villingen, St. Fidelis. Nebenher Dekanatsjugendseelsorger Villingen, CAJ-Bezirkskaplan Schwarzwald-Mitte, Kreisjugendpfleger Schwarzwald-Baar, Regionaldekan Schwarzwald-Baar, Dekan in Meßkirch, Dekanatsfrauenseelsorger in Villingen, Präses der Kolpingfamilie Villingen. Bis 2015 noch Seelsorger der Esperantisten in der Erzdiözese.

2. Meine „Identität als Priester“
ergibt sich zunächst schlicht aus meine Priesterweihe. Aber die hat ihre Vorgeschichte, ihre Theologie und ihre Geschichte.
2.1. In der Vorgeschichte ist mein 12. Lebensjahr wichtig. Weil unser Dorfpfarrer in der Predigt immer wieder beklagte, daß es zu wenig Priester gäbe, und daß mein Dorf endlich wieder einmal einen Priester aus seiner Mitte hervorbringen sollte, entschloß ich mich, ein Pfarrer wie der unsrige zu werden. Natürlich überprüfte ich dieses Ziel immer wieder, z.B. nach meinem Abitur. Ich blieb dabei, weil Gott Menschen braucht, die ganz und sichtbar für ihn hinstehen, und weil mir kein Beruf so vielseitig mit Menschen im Kontakt zu sein schien wie der Beruf des Pfarrers. Das finde ich noch heute so.
2.2. In der Theologie wurde mir mit der Zeit meiner Geschichte die Repräsentation Christi wichtig, die in der Feier der Eucharistie besonders aufleuchtet, wo mir und der Gemeinde das Wort Gottes auflebt, damit es in der Sendung in alle Welt geht (Ite missa est). Zunächst war für mich als junger Pfarrer wichtig, unter den Menschen in Christ Namen tätig zu sein als einer, der dient. Dann aber fügte Gott meine
2.3. Bekehrung zur Feier der Eucharistie und zum Wort Gottes: Meine erste Pfarrstelle Unterkirnach (1967 – 1980) war die Zeit vieler kirchlicher Aktivitäten: Jugendgruppen, Familienfreizeiten, Ferienlager, Schifreizeiten, Wochenenden, Bildungswerk, Sozialstation, Kindergartenverein, Kindergartenbau, Kirchenrenovation, Gemeinderäume, alles unter dem Motto: Das Konzil kommt ins Dorf. Gleichzeitig ging aber der Kirchenbesuch in den ersten 7 Jahren von 70% auf 35% zurück. Die Sonntagsmesse sei zu lang, sagte man mir. Also versuchte ich sie von 45 auf 40 Minuten zu verkürzen. Lektoren, Vorbeter, Kantor, Kommunionhelfer wurden eingeführt; Jugend- und Kindergottesdienste (Familiengottesdienste genannt), Bußfeiern, Pfarrgemeinderat, usw. Es half alles nichts: Im verflixten 7. Jahr 1974 erreichte mich die allgemeine Krise. Dieser und jener gab auf, heiratete. Das kam für mich nicht in Frage. Aber eine Bekehrung war nötig. Sie hieß:
Ich feiere am Sonntag die Heilige Messe mit den Menschen guten Willens. Das braucht eine Stunde.
Wir hören die Fülle des Wortes Gottes: 1. Lesung, Psalm, 2. Lesung, Halleluja und das ganze Evangelium. Die Predigt sucht den roten Faden und die Verbindung zum Leben.

Natürlich blieb es nicht bei diesen Maßnahmen, sondern die persönliche Hinwendung zur Feier der Heiligen Messe und zum Wort Gottes wurde für mich bis heute zum tragenden persönlichen Grund für mein priesterliches Selbstbewußtsein. Und das Wort Gottes wird mir von Jahr zu Jahr reicher und fruchtbarer. (Vgl. „Schreiben der deutschen Bischöfe über den priesterlichen Dienst“, Abschnitte II, „1. Hören, was der Geist Gottes uns sagt“ und „2. Jesus Christus – Herr seiner Kirche“)

3. Das Kollegium des Bischofs im Dekanat.
Immer wichtiger wurde mir die Verbindung mit dem Bischof und seinem Priesterkollegium. Denn wo zwei oder drei in Jesu Namen beisammen sind, ist er mitten unter ihnen. Darum weiß ich mich auch besonders verbunden mit meinem Dekan und dem Kapitel, wie auch mit den Mitarbeitern des Bischofs im Ordinariat. In diesem Kollegium des Bischofs fühle ich mich daheim, angenommen und getragen in der Kirche Jesu Christi.
Das Mitmachen im Priesterkollegium des Dekanates trägt mich.

4. Das Seelsorgeteam – die mir von Gott gegebenen nächsten Mitarbeiter
Somit bekommt auch das vom Bischof eingesetzte Seelsorgeteam in meiner Seelsorgeeinheit seine theologische Qualität, die eng mit meinem Priestersein in Verbindung steht Es ist mit mir verantwortlich für die Seelsorge in unserem vom Bischof vorgegebenen Bereich, der Seelsorgeeinheit. Der eigentliche Seelsorger ist Christus, repräsentiert durch den Bischof. Der Bischof firmt die Getauften zum Seelsorgedienst in der Welt und weiht Priester und Diakone zum Dienstamt an den Gefirmten. In den übrigen kirchlichen Seelsorgeberufen sendet der Bischof auch speziell ausgebildete Gefirmte in seine Seelsorge. Die Kooperation dieser Dienste und Berufe ist wesentlich. Im Seelsorgeteam erweitert sich das Kollegium des Bischofs auf die Seelsorgeeinheit. Das Team ist nicht nur eine menschliche Gruppe mit ihrem gruppendynamischen Gesetzen, sondern eine Organismus des Leibes Jesu Christi, in dem die geweihten Priester und Diakone die spezifisch priesterliche Repräsentation Christi verkörpern, die vom Bischof ausgeht und die Einheit mit der real verfaßten Kirche personifizieren.
Der Dienst des Pfarrers in der Seelsorgeeinheit und im Team ist Dienst an der Einheit der Kirche.

Als Leiter des Seelsorgeteams sehe ich die wichtige Aufgabe, Charismen der Mitarbeiter im Team und in unseren Familien und Pfarreien entfalten zu helfen. Ein Team braucht Leitung. Die Leitung des Seelsorgeteams muß bei einem Priester als dem geweihten Vertreter des Bischofs liegen. Der Pfarrer wird die Leitung bestimmter Aufgaben an geeignete Personen übergeben, die das sachgerechte Charisma besitzen, verbunden mit der Qualität des Glaubens in der verfaßten Kirchlichkeit. Von diesen Charismen bin ich als Mensch immer wieder bereichert und als Pfarrer beglückt. Dabei lasse ich mich anregen und begeistern von den Ideen anderer. Ich bringe meine Lebenserfahrung ein, und vor allem meinen Glauben: Gott ist der Herr – wir brauchen nicht alles selbst zu machen. Legt Eure Last auf den Herrn. Das entlastet mich. Ich bin nicht für alles der letzte Verantwortliche. Das gilt aber nicht nur für die Mißerfolge, sondern auch für die Erfolge. Sie sind mir geschenkt.
Wichtige Aufgabe des Pfarrers ist es, die vorhandenen Charismen zu entdecken, zu bestätigen und zu bestärken, Bereiche abzuklären, Hilfen zu geben, Konflikte zu vermeiden und Streit zu schlichten.

5.  Die Familien als Lebenszellen sind „Hauskirche“, wo die Mütter und Väter die ersten Seelsorger für ihre Kinder und für sich gegenseitig sind. Mehr und mehr scheint mir, daß wir in unserer Gemeindetheologie der letzten Jahrzehnte die Familie vernachlässigt haben. Wir haben die Hauskirche in den Familien einfach vorausgesetzt. Aber ohne die Hauskirche der Familien stirbt die Gemeinde schlicht wegen Nachwuchs aus. Wir sind in Deutschland auf dem besten Weg dazu – als Volk und als Kirche.
Wo es möglich ist, versuche ich die Familien als Lebenszellen meiner Pfarreien zu stärken.

6. Und der Umbruch unserer Zeit?
Die Geschichte lehrt: Jede Zeit hat Ihre Nagelprobe zu bestehen, hat ihre Umbrüche zu bewältigen. Jedes Leben ist ein einziger Umbruch. Pantha rhei – alles fließt. Ich bin neugierig, was Gott noch alles mit uns vor hat. Das gilt ganz konkret für jede Stunde, jeden Tage, für jede Begegnung ganz besonders. Manches verkümmert im Wandel der Zeit, manches wächst. Gott aber ist der Herr der Geschichte.
‚Fürchtet euch nicht‘ ist eines der großen Froh-Worte der Bibel. Neugierig auf Gottes Zukunft sein.

7. Zeit habenIch habe für jeden Zeit. Wenn ich die augenblicklichen Minuten schon jemandem versprochen habe, dann biete ich – oder meine Sekretärin, die über meinen Terminkalender verfügen kann – eine andere Zeit an. Termine sind Zeit für Menschen.

Dabei durfte ich einen interessanten Lernprozeß machen. Lange habe ich das „adsum“ meiner Priesterweihe mit „ich bin (immer) da“ übersetzt. Das führte über lange Jahre zu einem häufigen Gefühl der Überforderung. Denn wenn ich jemand meine Zeit widmete, sagten die anderen mit Recht: Er ist nicht da. Dann hörte ich bei einer Priesterweihe, daß man unser altes „adsum“ mit „ich bin bereit“ übersetzt hat. Da fiel mir der Stein von Herzen: Immer Dasein ist die Qualität Gottes. Sein Diener aber kann nur sagen: „Ich bin bereit!“ Bereit sein heißt: Horchen und dem jetzigen Ruf gehorchen. Nicht allen Rufen gleichzeitig, sondern nur einem nach dem andern, und den jeweils wichtigsten. Diese Erkenntnis hat mich sehr befreit.

„Ich bin bereit“, aber ich bin nicht der, „der (immer) da ist“. Nichts ist gerechter verteilt als die Zeit: jeder hat täglich 24 Stunden. Je interessanter man das Leben findet, umso mehr möchte, könnte, sollte man in diesen 24 Stunden machen. Sieben Leben möcht‘ ich haben. Aber ich habe nur eines. Also nehme ich mir Zeit für das, was mir wichtig ist. Ich brauche eine christliche Hierarchie der Werte, nach der ich mir Zeit nehme. Ich baue sie mir auf nach dem Grundsatz: 1. Gott lieben, 2. den Nächsten wie 3. dich selbst. Also zuerst das, was Gott,  Jesus Christus,  seine Kirche betrifft. 2. (und doch dem 1. gleich) der  Nächste in Not,  in der Begegnung,  in der Mitarbeit; und 3. (und doch dem 1. gleich) ein gesundes Ich. Und weil das Letzte dem Ersten gleich ist, geht mein Ich nicht unter in der Gesamtplanung, hat aber im konkreten Einzelfall Nachrangigkeit.

Wichtig ist die Definition von „lieben = mitmachen und mitmachen lassen“ (Bibelkurs Seifermann). Das eröffnet, ja verpflichtet zum Delegieren und zum Vertrauen, daß andere es unter dem Strich gut machen, in manchem vielleicht schlechter, in anderem dafür aber besser. Ein weiterer Schlüssel zur christlichen Zeithierarchie sind die Kardinaltugenden: Klugheit in der Erkenntnis der Wirklichkeit, Gerechtigkeit und das rechte Maß in der Zuordnung des Zeitmaßes, und schließlich die Tapferkeit, ja und nein zu sagen, wie es recht ist.

Mit christlicher Zeithierarchie kann ich guten Gewissens ‚Nein‘ sagen, wenn die Zeit nur für das Wichtigere reicht, ohne dieGesamtheit der Werte, auch mich selbst, zu vernachlässigen.

8. Was tut ein Pfarrer in einer Seelsorgeeinheit?
So werde ich manchmal gefragt. Ja, was habe ich in der letzten Woche eigentlich gemacht?, so habe ich mich manchmal gefragt. Es schien mir recht wenig. Vor allem fiel mir ein, was ich (noch) nicht gemacht hatte. Und dieser Erkenntnis trug nicht zu meinem seelischen Wohlbefinden bei. Bis mir ein Kurs über Zeitplanung und die Freude am PC die Idee eingab, jedes Jahr 1 – 2-mal eine ganze Woche aufzuschreiben. Hier das Ergebnis:

Wochenarbeitszeit eines Pfarrers in einer Seelsorgeeinheit
Drei durchschnittliche Wochen 1997 / 98 von Pfarrer Eichkorn
Durchschnittliche Wochenarbeitszeit 90,75 Wochenstunden (WSt) verteilt auf 8 Arbeitsbereiche:
 1. Liturgie: 12,59 WSt;  2. Einzelseelsorge:  13,83 WSt;   3. Gruppen: 8,71 WSt;   4. Unterweisung:  6,02 WSt;
5. Mitarbeiter: 6,17 WSt;  6. Verwaltung: 15,42 WSt;  7. Studium: 20,16 WSt;   8. Geistliches Leben: 7,33 WSt.

Erläuterungen
1. Liturgie: Leitende Feier der Sakramente und anderer Gottesdienste in Gemeinschaft
2. Einzelseelsorge, Einzel- und Familiengespräche und -kontakte
3. Gruppen, Verbände, Partnerschaften, Einrichtungen und deren Leiter
4. Unterweisung im Religiösen: Schriftliche und mündliche Unterrichtungen, Predigten, Vorträge, Schriftliche Unterweisungen, Bibelabende
5. Mitarbeiter, Räte: Sitzungen, Beratungen, Führungsgespräche
6. Verwaltung u. Nebentätigkeiten: Büro, Arbeiten erklären, Hausmeistertätigkeiten, Haushalt
7. Studium und Information (Lesen und Verfassen): Fachstudium, Medien, Bildung (Bücher, Zeitschriften, Briefe)
8. Persönliches geistliches Leben: Brevier, geistliche Lesung, Gebet, Beichte, Teilnahme an Gottesdiensten.
Wegezeiten und direkte Vorbereitungszeiten sind den einzelnen Sachgebieten zugeordnet.

Zunächst erscheinen 90 3/4 Wochenarbeitsstunden viel. Ich fühle mich aber weder in Hetze noch überlastet. Man bedenke aber, daß die Feier der Liturgie (ohne Predigt) mit den entsprechenden Wegezeiten, sowie Lektüre und Geistliches Leben eingeschlossen sind. Wenn ich diese leichten, aber wichtigen und tragenden Teile meiner Arbeit abziehe, komme ich nicht allzuviel über die Arbeitszeit einer berufstätigen Hausfrau mit 2 Kindern, die ca. 70 Wochenstunden in Beruf und Familie arbeitet (Statistisches Landesamt Baden-Württemberg lt. „Stimme der Familie“ 1/1991 S.7). Auch ein Handwerksmeister, der seinen Betrieb führt, wird weit über eine 70-Stundenwoche kommen, ja, mit den „leichteren Teilen“ seiner Arbeit auch auf gute 90 Wochenstunden. Entscheidend ist die Gelassenheit bei der täglichen Arbeit. Als Priester weiß ich mich ja auch ständig im Dienst, aber nicht im Stress (auch ein Modewort).

Relativ umfangreich ist das Studium (7.= 20 WSt). Der Bereich der Verwaltung (6.= 15,4 WSt.) ist nicht zu hoch – die Einzel- und Familiengespräche (2.= 13,8 WSt.) haben fast denselben Stellenwert. Hier zahlt sich die Einrichtung des Pfarrbüros aus. Der Bereich Unterweisung (4.= 6 WSt.) ist etwas niedrig, weil ich seit meinem Gehörsturz 1994 (60. Lebensjahr) keinen Religionsunterricht mehr mehr gebe, was ich sehr bedaure (Ich habe einmal zusammengerechnet, daß ich von 1960 – 1964, also in 34 Jahren ca. 11.000 Religionsstunden unterrichtet habe; und obwohl es viel Energie gekostet hat, möchte ich diese Zeit in meinem Leben nicht missen. Diese Unterrichtszeit schlägt sich in der obigen Statistik also nicht mehr nieder).

Im Vergleich zu den Aufzeichnungen vor der Zeit dieser Seelsorgeeinheit hat sich die Arbeitszeit nur unwesentlich verkürzt von damals 92,5 auf nun 90,75 Wochenstunden. Aber damals war die Verwaltung (ca. 25 Wochenstunden) und die Zeit der Unterweisung (mit Religionsunterricht = 10 Wochenstunden) höher, während die Seelsorge mit Einzelnen und Familien, mit Gruppen und das Studium weniger Zeit erhielten.

9. Ungeklärtes
9.1. Die Vier-Zahl der Pfarrgemeinderäte meiner Seelsorgeeinheit ist mir immer mehr zu einer schwer zu meisternden Last geworden. Wenn der Pfarrer seinen Part nicht einbringen kann, entwickeln sie sich insbesondere in den Dörfern zu Stiftungsräten und Festausschüssen, was ja auch sehr wertvoll ist, aber doch nicht das Tragende und Wesentliche des Christentums trifft, ja manchmal vom Eigentlichen ablenkt (hierüber siehe St. Fidelis, Grundsätzliches). Ich bereite deshalb die nächste Pfarrgemeinderatswahl 2000 schon jetzt vor, indem ich die Kandidaten dafür zu gewinnen suche, ihren Schwerpunkt in der pastororalen Planung und Mitarbeit zu sehen. Ferner möchte ich zur Stärkung der örtlichen Selbständigkeit die örtlichen Stiftungsräte selbständiger arbeiten lassen, indem ich den Vorsitz an örtliche Vorsitzende delegiere. Ferner soll es örtliche Festausschüsse geben.
9.2. die Zulieferer und der Flaschenhals: Damit meine ich die Unmenge an Papier, das von Seiten der verschiedenen kirchlichen Einrichtungen an Pfarrei und Pfarrer herangeschwemmt wird und hier sich staut wie in einem Flaschenhals. Ständig ist eine andere Aktion aktuell. Jede Gruppierung hat wichtige Anliegen und Ideen. Die Sonntagsmesse wird überfrachtet, auch von den pfarrlichen Gruppen her. Auch hier helfen mir die Grundsätze der christlichen Werthierarchie (oben 7.). Oft hilft nur der ‚Rundordner‘, der Papierkorb.
9.3. die Kommunikation zwischen den vielen Mitarbeitern ist ein besonderes Problem. Wir haben Informationsstellen eingerichtet, wo man die schriftlichen Informationen für die Einzelnen ablegt und wo diese sich im Schriftlichen informieren. Es gibt Dienstbesprechungen der pastoralen Mitarbeiter, der Büro-Mitarbeiter und viele Gespräche mit den Einzelnen (siehe Grafik Nr. 5. = 6,7 wöchentliche Arbeitsstunden). Viele erledigt sich „zwischen Tür und Angel“.

Einige Lösungsansätze:
– Je klarer ein Bereich abgegrenzt ist, je klarer die Kompetenzen sind, umso weniger Probleme.
– Je positiver die Leute zueinander stehen, desto weniger Probleme.
– Je mehr Gewohnheiten gelten, je weniger dauernd geändert wird, desto weniger Probleme.

10. Meditation: Der Pfarrer als Repräsentant der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche.
Unsere Seelsorgeeinheit ist ein sehr vielfältiges Gebilde: Stadt und Dörfer in verschiedener Ausgestaltung, mit verschiedener Geschichte und verschiedenem Selbstbewußtsein. Hier darf ich sein:
Pfarrer der e i n e n Kirche
Meine Aufgabe als Pfarrer ist es, die Einheit herzustellen, die den anderen in ihrer Eigenart gelten läßt, die Gerechtigkeit sucht und Frieden stiftet; die Einheit sucht unter den vielen Charismen meiner Pfarreien; Einheit mit dem Kollegium um den Dekan, mit dem Bischof und dem Papst; Einheit auch in der Ökumene. Und dies umzusetzen hinein in meine Pfarreien, die mir anvertraute Seelsorgeeinheit.
Pfarrer der h e i l i g e n Kirche
Es beglückt mich, Repräsentant der heiligen Kirche zu sein. Von meiner Kirche sage ich: Du bist schön, meine Freundin. Ich meine das ganz konkret, wenn ich in der Repräsentanz des Bräutigams vor meinen Gemeinden stehe, insbesondere in der Eucharistiefeier. Ich liebe meine Gemeinden, diese Menschen, die sich mit mir vor Gott versammeln, mit unseren Stärken und unseren Schwächen. Gott heiligt uns, und doch sind wir Menschen – simul justus et peccator, Kernpunkt der Rechtfertigungslehre.
Pfarrer der k a t h o l i s c h e n Kirche
Das Umfassende fasziniert mich seit eh und je: Vater, Sohn und Hl. Geist; Christus und Maria; Priester und Laien; Schrift und Überlieferung; Hauskirche und Weltkirche; Solidarität und Subsidiarität; usw. Keine Einheitsbrei, sondern Spannung in der großartigen Vielfalt. Und das nun erfahren in diesem umschriebenen Raum, in dem ich Pfarrer sein darf, immer neu bereichert vom Katholischen des konkreten Lebens. Raum, den ich immer wieder weiten darf über den Kirchturm hinaus. Hier helfen mir vor allem meine weltweiten Kontakte mittels der internationalen Sprache Esperanto, das weltweit Katholische persönlich zu erfahren und zu vermitteln.
Pfarrer der a p o s t o l i s c h e n Kirche
In der Tradition der Handauflegung stehen von den Aposteln her. Den reich gedeckten Tisch des Wortes Gottes entdecken und für diese Menschen decken: das Wort Gottes des Alten Testamentes, insbesondere der Psalmen, auf dem Jesus und seine Apostel ihr Leben entfaltet haben; das Wort Gottes des Neuen Testamentes, in dem sich ihr Leben und ihr Glaube in die Welt hinein entfaltet bis auf den heutigen Tag. In Treue zu der Lehre der Apostel alles Neue des Lebens einordnen in die Lehre Jesu Christi.

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